<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><?xml-model href="../../schema/HBAS_letters.odd.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L041532.xml" xml:base="https://id.acdh.oeaw.ac.at/schnitzler/bahrschnitzler/letters" prev="D041518.html" next="L041431.html"><teiHeader type="text"><fileDesc><titleStmt><title level="s">Hermann Bahr – Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente 1891–1931</title><title level="a">Arthur Schnitzler an Adele Sandrock, 29. 1. 1894</title><title type="iso-date" n="01">1894-01-29</title><author ref="#pmb2121">Schnitzler, Arthur</author><editor><name>Ifkovits, Kurt</name><name>Müller, Martin Anton</name></editor><funder><name>FWF - Fonds für Wissenschaft und Forschung</name><address><street>Sensengasse 1</street><postCode>1090 Wien</postCode><placeName><country>A</country><settlement>Wien</settlement></placeName></address></funder></titleStmt><editionStmt><edition>HBAS</edition><respStmt><resp>Transkription und Kommentierung</resp><name>Kurt Ifkovits</name><name>Martin Anton Müller</name></respStmt></editionStmt><publicationStmt><publisher>Theatermuseum, Wien</publisher><idno type="HBAS-L" n="532"/><availability status="free"><p>Copyright © 2015</p></availability><idno type="handle">https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-8785-3</idno></publicationStmt><seriesStmt><p>Machine-Readable Transcriptions of the Correspondence between Hermann Bahr and Arthur Schnitzler</p></seriesStmt><sourceDesc><correspDesc><sender><persName ref="#pmb2121">Schnitzler, Arthur</persName></sender><addressee><persName ref="#pmb12618">Sandrock, Adele</persName></addressee><placeSender><placeName ref="#pmb50">Wien</placeName></placeSender><placeAddressee><placeName ref="#pmb50">[Wien]</placeName></placeAddressee><dateSender><date when="1894-01-29" n="01">29. 1. 1894</date></dateSender><context/></correspDesc><listWit><witness n="1"><msDesc><msIdentifier><country>D</country><settlement>Marbach am Neckar</settlement><repository>Deutsches Literaturarchiv</repository><idno>A:Schnitzler, 85.1.1758</idno></msIdentifier><physDesc><p>eh. Brief, 2 Bl., 8 S., Bleistift</p></physDesc></msDesc></witness></listWit><listBibl><biblStruct corresp="ASAS"><monogr><author ref="#pmb2121">Schnitzler, Arthur</author><author ref="#pmb12618">Sandrock, Adele</author><title level="m">Dilly. Geschichte einer Liebe in Briefen, Bildern und Dokumenten</title><editor>Zusammengestellt von Renate Wagner</editor><imprint><pubPlace>Wien, München</pubPlace><publisher>Amalthea</publisher><date when="1975">1975</date></imprint><biblScope unit="pp">104–106</biblScope></monogr></biblStruct></listBibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><langUsage><language ident="de-AT">German</language></langUsage></profileDesc><revisionDesc status="candidate"><change who="MAM" when="2016-04-11">Angelegt</change><change who="MAM" when="2016-04-27">Kollationiert am Original im DLA</change></revisionDesc></teiHeader><text><body><div type="writingSession" n="1"><opener><dateline rend="right"><date>Montag</date></dateline></opener><p><salute>du mein einziger Schatz, – </salute>dass mich das Telephon ins Grab bringen wird, halte ich für zweifellos. – Also weil ich um 11 oder ¼ 12 noch nicht im <rs type="place" ref="#pmb262"><hi rend="latintype">Cent</hi></rs> war, hab ich dich betrogen. Ich kam mit der ganzen Bande, abgerechnet <rs type="person" ref="#pmb10815">Bahr</rs> (der wohl noch einmal einen Besuch bei dir machte<add place="inline">??</add>) um ¾ 12 dort an; nachdem wir bei <rs type="place" ref="#pmb419"><hi rend="latintype">Streitberger</hi></rs> soupirt hatten. Im <rs type="place" ref="#pmb262">C.</rs> sass ich lange allein, weil die übrigen Tarok spielten.– Ich dachte<pb/> den ganzen Abend an dich, schlief mit dem Gedanken an dich ein, wachte mit dem Gedanken an dich auf; bin immer immer mit meiner Seele bei dir, – und erfahre heute früh, dass ich Dich sicher betrogen, – wahrscheinlich verlacht habe!!!–</p><p>Schau Kind, das mußt du dir abgewöhnen. Mistrauen lasse ich ja gelten; aber es muss wenigstens vernünftig sein. Daraus, dass mich irgendwann dein telephonischer<pb/> Ruf nicht erreicht, darfst du nicht folgern, dass ich dich betrüge und verhöhne. Ich weiss nicht, ob du irgendwelche anderen Gründe für Deinen impertinenten Verdacht ausfindig machen kannst – eines steht jedenfalls fest: versprochen hab ich dir das treulos werden nicht so oft wie du mir, die das in jedem zweiten Brief für dringend nothwendg<pb/> hält.– Es ist doch sonderbar – die Frauen (Ihr Frauen!! Gefahr!) sagen so oft: Ich werde dich morgen betrügen, und so selten: Ich habe dich gestern betrogen – obwohl sie ja davon viel tiefer überzeugt sein könnten – zuweilen wenigstens.– Wozu aber deine ewigen Versprechungen! Ich weiss ja – Du wirst schließlich stets thun, was in deinem<pb/> Belieben steht, und dass du mir Treulosigkeit versprichst, ist ebensowenig ein <subst><del rend="overwritten"><unclear>H</unclear></del><add place="inline">B</add></subst>eweis dafür, dass du treulos sein wirst – als dein Treueschwur ein sichrer Beweis für deine Treue wäre. Ich frage nur: warum, warum warum?– Es ist so schön, sich ab un<unclear>d</unclear> zu zu vertrauen, wenigstens halbe Stunden lang!– Du vergibst dir wahrhaftig nichts damit, wenn du mir glaubst, Schatz; denn dass ich dich wahnsinnig lieb habe, mußt du ja doch spüren.– Schatz, findest du noch, dass ich dich »köstlich« behandelt habe? – – Hättest du mir doch gestern gesagt, ich solle um zehn oder eilf wieder zu dir kommen! – Was hast du übrigens bis 11 ½ gemacht? - Dass du <rs type="person" ref="#pmb11740">L.</rs> lieb findest, ist mir gewiss nicht unangenehm – ich glaube nicht, dass einem das<pb/> je geholfen hat!– Wir sprachen übrigens gestern den ganzen Abend nur über Sandrock und <rs type="person" ref="#pmb11461">Goethe</rs>, er und ich – weil wir uns eben immer auf den höchsten Gipfeln der Lebens u Kunstanschauung bewegen <c rendition="#dots" n="2" place="center"/> »Natürli, das thu i immer.«–</p><p>– Aber – ich kann dir nur glauben und muss ja doch endlich fort, zu den Kranken, die auf Bälle gehn – in die Druckerei,<pb/> u. s. w. u. s. w. – </p><p>Was ists also mit uns? Hast du mich noch lieb?– Ich komm also heute zwischen 7 u ½ 8 zu dir. Solltest du aber irgend eine andre Stunde für geeigneter halten, so <subst><del rend="overwritten"><unclear>gibs mir</unclear></del><add place="inline">lass es mich</add></subst> noch auf irgend eine Weise wissen. Ich liebe dich mit jed<subst><del rend="overwritten"><unclear>er</unclear></del><add place="inline">em</add></subst> Tag mehr und möcht’s dir gerne wieder sagen. Und viele viele viele innige Küsse, mein<add place="inline">e</add> einzige – süßer Diltsch.<space unit="chars" quantity="5"/>Yours <signed>Arth</signed></p></div></body><back><listPerson><person xml:id="pmb2121"><persName><forename>Arthur</forename><surname>Schnitzler</surname></persName><birth><date when="1862-05-15">15.05.1862</date><settlement ref="#pmb50"><placeName type="pref">Wien</placeName><location><geo>48,2066 16,37341</geo></location></settlement></birth><death><date when="1931-10-21">21.10.1931</date><settlement ref="#pmb50"><placeName type="pref">Wien</placeName><location><geo>48,2066 16,37341</geo></location></settlement></death><sex value="male"/><occupation ref="#pmb90">Schriftsteller/Schriftstellerin</occupation><occupation ref="#pmb97">Mediziner/Medizinerin</occupation><idno type="URL" subtype="d-nb">https://d-nb.info/gnd/118609807</idno><idno type="URL" subtype="bahrschnitzler">https://bahrschnitzler.acdh.oeaw.ac.at/entity/pmb2121</idno><idno type="URL" 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Hugo</persName><birth><date when="1874-02-01">01.02.1874</date><settlement ref="#pmb50"><placeName type="pref">Wien</placeName><location><geo>48,2066 16,37341</geo></location></settlement></birth><death><date when="1929-07-15">15.07.1929</date><settlement ref="#pmb173"><placeName type="pref">Rodaun</placeName><location><geo>48,132793312328 16,256152195922</geo></location></settlement></death><sex value="male"/><occupation ref="#pmb90">Schriftsteller/Schriftstellerin</occupation><idno type="URL" subtype="schnitzler-tagebuch">https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entity/person_16293</idno><idno type="URL" subtype="d-nb">https://d-nb.info/gnd/118552759</idno><idno type="URL" subtype="bahrschnitzler">https://bahrschnitzler.acdh.oeaw.ac.at/entity/pmb11740</idno><idno type="URL" subtype="pmb">https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/11740</idno><idno type="URL" subtype="schnitzler-briefe">https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pages/hits.html?searchkey=pmb11740</idno></person><person 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