München, AnfJuni
Meine geliebte Dilly,
bin noch im
Café Luitpold, aber nach dem Speisen, zwischen zwei Gallerien – und zwischen
zwei großen Dichtern. –
Bahr ist heute früh gekommen.–
Gestern Abend waren wir bei der »
Jugend« von
Halbe . Sehr interessantes Stück das in
Wien wahrscheinlich verhöhnt worden wäre.–
Dein Telegramm, Schatz, fand ich gestern Abend – nun ist hoffentlich Dein Fieber und die Schmerzen völlig weg – Aber,
Kind, Kind, dass diese »Aufklärung« – nothwendig war – das hab ich doch nicht gedacht.
Ich bin ja ein Säugling des Mistrauens gegen Dich!–
So sind nun bald 3 mal 24 Stunden, dass ich – von den telegraf. Worten abgesehn, nichts,
gar nichts von dir gehört. Morgen bekomm’ ich wohl einen Brief. Ich reise Donnerstg
u Freitg von hier ab, – wird rechtzeitg telegrafirt –
Im ganzen fühl ich mich recht wohl – abgesehen von der Sehnsucht nach den lieben Worten und nach den süßen Küssen,
die mir in
Wien das Leben – nach halb zehn versüßen und verschönen.
Hast du mich lieb? – Mir ist, als hätt ich dich Wochen lang nicht gesehn –
Leb wohl, mein geliebter Schatz und tausend Küsse! Dein dein
Arth