Brief von Gerhart Hauptmann an Otto Brahm, geschrieben von Margarete Hauptmann
Antwortet auf eine von Brahm nicht erteilte Freigabe des Stücks 'Schluck und Jau'.
Bittet, die Entscheidung zu überdenken, da davon "meine geistige Existenz, meine geistige
Zukunft abhängt". Beklagt sich über die von Brahm und dessen Regisseuren verschuldeten
Misserfolge, die seine "Freude am Theatralischen stark abgekühlt" und seine "Schaffenslust
nicht gesteigert haben". Fühlt sich durch die Wiederaufnahme seiner alten Stücke "vernachlässigt
und geschädigt", weil darin "ebenso wenig die alte Liebe zu finden ist wie die alte
Kunst". 'Die versunkene Glocke' macht einen "geradezu peinlich verstaubten Eindruck".
Verweist auf den für Brahm überaus günstigen Vertrag und fordert "Liberalität" ein.
Brahm jedoch verweigere ihm "mit einer sozusagen eisernen Hand" einen "künstlerischen
Bewegungsversuch". Fühlt sich künstlerisch missachteten Schauspielern gleich, wie
dem "vortrefflichen Rittner", "dem die Verhältnisse viel zu früh die Bühne verleidet
haben". Bittet um Freigabe von 'Schluck und Jau' für ein "Experiment auf einer fremden
Bühne". Verweist auf andere Autoren in Brahms Programm und leitet daraus das Recht
ab, 'Schluck und Jau' am Deutschen Theater aufführen zu lassen. Einer "Wiederaufnahme
im Lessingtheater, bei dem Personal, über das Deine Bühne jetzt verfügt und bei der
gleichen Regie, die den ersten Misserfolg des Stückes nicht hat verhindern können",
steht er "hoffnungslos" gegenüber.1 Brief, 2 Bl.