Arthur Schnitzler an Marie Reinhard, [10.] 7. 1897

33.)

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Meine geliebte Mizi, von Frau K. erhalte ich zwar zahlreiche Briefe aber lauter alberne Vorschläge. Dabei thut sie riesig bemüht und thut doch nichts rechtes. Ich sag Dir nun, wie ich über die nächste Zeit denke. Wie Du weißt, hab ich ca 22. mit Hugo in Salzburg Rendezvous; gleich darauf fahr ich nach Wien (etwa 25.) wo ich doch schon eine Anzahl Wohnungen (ich lasse noch ein paar Mal annonciren) zur Wahl finde. Es müsste doch sonderbar sein, wenn man nicht in 5tägigem unausgesetztem Suchen etwas relativ passendes fände. So hoffe ich, dass Du Deinem und ebenso meinem Wunsch entsprechend schon am 1. in Wien eintreffen kannst. Jedenfalls aber sei darauf gefasst, dss sich Deine Heimkehr eventuell auf 2–3 Tage verzögern kann.–
Es thut mir sehr leid, dss Du Dich in And. nicht so wohl fühlst, als es in Axenfels der Fall war. Habe jetzt nur ein wenig Geduld, mein Schatz, und fühle dss ich Dich unendlich liebe.
Meine Stimmung ist ziemlich herunter; der 2. Akt schreitet mühselig vor; das Ohr enervirt mich auf’s höchste. Ich fahre ziemlich viel Rad; finde das Gehen unerträglich. Gestern bin ich mit Gisela nach Goisern geradelt; heute Früh mit Julius, Helene, Gisela dem Hajek entgegen gegen Ebensee.– Gestern hab ich überdies das neue Stück von Jarno (Première) »Aschermittwoch« im hiesigen Theater durchlebt. Maran und Pohl Meiser amusant; im ganzen widerlich.–
– Von Bahr Brief, neuerliches Drängen NeuHofers, wegen Contracts mit Lessingtheater auf Jahre, 12% u Einreichungshonorar u Teminbestimmung der Première. – Natürlich nicht, da kein Anlass vorliegt sich zu binden.–
Leb wohl, meine geliebte und ersehnte Mizi; grüße Dein Mutter u sei tausendmal geküsst.
Dein
Arthur