Kommentar

Essay] Hugo Ganz: Die decadente Frau. Glossen zur »Anima sola« von Neera. In: Die Zeit, Bd. 8, Nr. 92, 4. 7. 1896, S. 9–10.

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Signatur: Wien, Theatermuseum, HS AM 15145 Ba

eh. Brief, 1 Bl., 4 S.

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Peter Altenberg: Peter Altenberg an Hermann Bahr. . Texte hg. von H. Lunzer und V. Lunzer-Talos. In: Hermann Bahr – Für eine andere Moderne. Hg. Jeanne Benay, Alfred Pfabigan. New York, Bern, Frankfurt am Main: Peter Lang 2004, S. 253–255.
Peter Altenberg: Die Selbsterfindung eines Dichters. Briefe und Dokumente 1892–1896. Hg. und mit einem Nachwort von Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2009, S. 72.

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Personen
Werke
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  • Budapest
  • Griechenland (Hellenic Republic)
  • Wien (K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Bécs, Land Wien, Vídeň, Wenia, Beč, Vindobona (Wien), Vienna)

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Peter Altenberg an Hermann Bahr, [nach dem 4. 7. 1896]. In: Hermann Bahr – Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Hg. Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller, Stand 13. 7. 2026, https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-87CF-1.

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Chronik

Samstag, 4. 7. 1896

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Peter Altenberg an Hermann Bahr, [nach dem 4. 7. 1896]

Peter Altenberg.

Lieber Herr Hermann Bahr:

Bitte, können Sie mir die Adresse verschaffen von Hugo Ganz, Budapest, welcher den Essay über das Buch »Einsame Seele« von Neeri, in Ihrem Blatte geschrieben hat?!
Die darin ausgesprochenen Ideen sind nämlich das Geheimnis meines künstlerischen und philosophischen Lebens und der »ewige« Hintergrund meiner scheinbar »alltäglichen« Sachen. Ohne Heilands-Ideen gibt es überhaupt kein Künstler-Sein. Das ist es, was Schnitzler u. Beer-Hoffmann u. den Jungen fehlt. Das Feuer brennt nicht in Ihnen, welches die Propheten, Dichter, Märtyrer, Menschen-Erlöser, Menschen-Erzieher, entzündet hat u. über ihr eigenes gleichgiltiges Ich hinübergetragen hat in die Gegenden, wo man lächelnd für seine Gedanken, für sein Herz zu sterben bereit ist.
Zum erstenmale habe ich in diesem Essay von Ganz die Ideen ausgesprochen gelesen, welche ich in meinem Gehirne trage.
In schamloser frecher und perfider Weise ist es diesem feigen Tyrannen »Mann« gelungen, dem »Ideal-Geschöpfe« Weib, diesem accomplissement des idées intimes du Créateur, seine eigenen thierischen Bedürfnisse als das zu imputiren, was ihre Seeligkeiten u. ihr Glück u. ihren letzten Wunsch ausmacht. Während das Weib die Vertreterin des Göttlichen auf Erden ist, indem sie nach ihrer innersten Organisation nichts, absolut nichts Anderes wünscht, als dem Mann zu seiner Göttlich-Werdung zu verhelfen dadurch daß sie seine Seele ihm selbst offenbar macht durch ihre Erscheinung und ihn in die Welt des »ästhetischen Schauens u. Genießens«, in das alte Griechenland, vermöge ihres Gott-ähnlichen Leibes, zu versetzen im Stande ist, während sie also gleichsam von Gott eingesetzt ist, um dem im dumpfen Leben Verkommenden zu seinem Seele-Werden, zu seiner letzten Entwicklungsstufe zu verhelfen u. der Begattungs-Akt nur die letzte organische Äußerung dieser erfüllten Mission ist, welche Erfüllung göttlichen Gesetzes als persönliche Wollust empfunden u. gedeutet wird, hat der Mann dem Weibe perfider Weise ihre heilige Mission als Schöpferin des Thier-Mannes zum Künstler-Menschen, zum Gott-Gleichen, zu Gottes wahrem Sohne, geraubt u. ihr frecher Weise die Befriedigung seines Sexual-Triebes als Haupt-Mission imputirt. Das »wirklich schöne Weib« ist aber die einzige Erlöserin des Mannes von sich selbst u. seinen Niedrigkeiten u. kann daher auch nie einem einzigen Manne angehören, weil sie das heilige Recht hat, die ganze Gattung »Mann« zu erlösen.
P.A.