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Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Hg. Therese Nickl und Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 676–677.

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Arthur an Olga Schnitzler, 30. 10. 1911. In: Hermann Bahr – Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Hg. Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller, Stand 13. 7. 2026, https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-8703-6.

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Montag, 30. 10. 1911

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Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Olga Schnitzler, 30.10.1911

Quelle: Hermann Bahr, Arthur Schnitzler. Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente 1891–1931. Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein Verlag 2018

Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Olga Schnitzler, 30. 10. 1911

Quelle: Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Hrsg. v. Therese Nickl u. Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981.

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Arthur an Olga Schnitzler, 30. 10. 1911

Palace Hotel, Prague

30. X. 911,
Montag ½ 5 Nachmittag im Zimmer

mein Schatz, nachdem ich dir geschrieben, u mich zum fortgehn bereit gemacht – erscheint Teweles persönlich u bleibt bis ½ 12 bei mir, sehr nett, und, da das Theater (wie ich auch später von Salus höre) sehr gut geht, in gehobner Stimmung. Über Medardus – Berlin – Brahm, ohne zu einem Resultat zu kommen; über Bahr, über Tantièmen u. s. w. Dann im Wagen (auf dem Weg Frau Teweles; ich steige aus und wortwechsle, werde für morgen Mittag eingeladen) ins czech. Nationaltheater; Director Schmoranz, der eigentlich auch so aussieht, führt mich auf die Bühne u in den Zuschauerraum; sehe eine Scene der morgigen Novität Jan Hus – Das Stück soll fast so lang sein wie der Medardus – ; ich spreche Kwapil, werde zwischen Thür und Angel dem Verfasser, dem »ersten« lebenden czechischen Dramatiker vorgestellt – wie heißt er nur –? Jerasek glaub ich ich . . (was ist der Ruhm?! Auch ein Schnaps, wie der Enzian!) – (den wievielten lebenden deutschen hat er kennen gelernt bei dieser Gelegenheit?) (Schönherr inclusive) – erfahre, daß nächster Tage die Liebelei (Oper) gespielt wird; der »fremde Herr« sitzt im Parket vor mir, für den Hus costumirt. Wieder ins Hotel. Salus, mit dem ich früh telephonirt, erscheint, wir gehen auf den Čelakovsky-Platz, zu ihm. Die Aussicht von seinen Fenstern ist nicht so schön wie er glaubt. Er wird sofort zu einer Kranken telephonirt; ich plaudre mit seiner sympathischen Frau, durch Zahnweh enervirt; habe Gelegenheit, die den gynäkologischen Untersuchungsstuhl lyrisch überschattenden Lorbeerkränze und Schleifen zu bewundern, sowie der Gattin schwarz-weißes, lang nicht geputztes Kleid. Trotzdem sind beide sehr liebe Menschen. Es treten ferner auf: der 2 ½ jährige Bub bei dem ich nur mäßigen Anklang finde; die Mutter der Gattin, hinreißend jüdisch selbst für Prag, aber gutmütig genug selbst für Böhmisch Leipa (oder umgekehrt.) Erst nach 2 kehrte Alusch wieder; wir diniren ganz leidlich – eine sehr eine gute Suppe, eine Kalbsleber mit Risi ohne Bisi; zu Ehren der Schwiegermutter Rebb-Huhn; und weil der Hausherr endlich nach Hause kam, einen »Scho – do«. – Eine neue Literaturgeschichte wird hereingebracht, aus der ich erfahre, daß ich müd, objectiv und noch einiges bin – ich weiß nicht was alles, da wieder telephonirt wird, u. zw. von derselben Patientin, u ich mit dem Gastgeber das Local verlasse. Aber böse Zunge und schlechte Witze beiseite; ich habe mich oben recht wohl gefühlt und »hab ihn gern« – was auch schon ein Citat ist. Und nun, was du gewiß schon bemerkt hast, schreib ich dir; werde noch ein halbes Stündchen lesen, und dann ins Theater gehen, wo eine Tragikomoedie aufgeführt wird: »Nichtige Menschen, oder das unmotivirte Duell« wie sich ein Kritiker einmal ausgedrückt hat . . . es kann übrigens auch ein Aff gewesen sein.
Leb wohl mein geliebtes! Küss mir die Kinder!
Dein
A.